So wie das Hamburger House-Duo Egoexpress rockte in den 90er-Jahren kaum jemand die Tanzböden: Mense Reents (aktiv auch bei den Goldenen Zitronen, Huah!, Stella, u.a.) und Jimi Siebels waren hörbar mit Punk, Indierock, aber auch mit Suicide und DAF aufgewachsen und brachten eine rock’n’rollige Wucht und Energie in die elektronische Tanzmusik. Beispielhaft ist die Single «Telefunken»: Der Titel verweist auf eine Funktechnik- Firma der Nachkriegszeit, der Beat wummert erbarmungslos vorwärts, Synths und Sequencer wiederholen und variieren eine oder zwei wie Gummibälle hüpfende, melodische Loops, ein Fingerschnipsen besorgt den Rest. Reduziert, archaisch, geradezu primitiv – Egoexpress- Tracks fuhren direkt in die Beine. Zwanzig Jahre nach ihrem letzten Lebenszeichen schauen Egoexpress auf ihre Geschichte zurück. Erstaunlich ist, wie frisch und wirkungsvoll ihre Tracks im Gegensatz zu den meisten Houseprodukten geblieben sind. Ihr auf maximale Wirkung getunter Minimalismus, interessante instrumentale Klangfarben und der Verzicht auf typische House- und Techno- Floskeln verleihen Stücken wie «Weiter» (mit schrägen Saxophoneinschüben und der melancholischen Stimme von Tocotronics-Sänger Dirk von Lowtzow), «We Are Here», «Disco Past Perfect » oder «Smily Blu» etc. Zeitlosigkeit. cg.
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