Hannah Frances – Nested in Tangles

Rokoko, warum auch nicht? Hier ein Schleifchen, dort ein Röschen, ein Quästchen, ein Tüpferchen, ganz einfach. Fröhlich koloriert das Ganze, üppig vergoldet, reich dekoriert – und schliesslich doch als blosse Spielerei verkauft. Das scheint der Witz dieser Platte zu sein: so viele Petitessen wie möglich zu versammeln, bis alles glitzert und glänzt vor lauter musikalischem Zierrat – und am Ende trotzdem so leicht daherkommt wie der Mädchenstreich eines gelangweilten Genies. Da tuten die Posaunen, seufzen ein Saxofon und eine Klarinette. Es leiern die Gitarren und singen die Flöten, von allem ist ein bisschen was dabei. Und von nichts zu wenig. Mal wandert dieses eigenwillige Orchester in Richtung Westen, wo Onkel Country im Lehnstuhl d.st und Süssholz kaut («Falling From and Furthe.»), mal in den Süden, wo Bruder Jazz seinen Eintopf köchelt (.Heavy Light.). Und dann rollt ein richtig rockiger Donner («Surviving You») über das Land hinweg, die Musikanten werden in alle Richtungen versprengt. Bis die Herrin sie wieder zusammenpfeift und zu neuen Kunststückchen antreibt. In der Kombination ergibt das ein operettengleiches Werk, das barocker kaum sein könnte. Und damit ganz auf der Höhe unserer Zeit thront. cmd.

Fire Talk

Youtube: Hannah Frances «The Space Between»: https://youtu.be/rMblqLa5F9g?si=eqXz6cW3EEhh5ef7

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