Iron & Wine – Hen’s Teeth

Zwei Jahre nach dem bezaubernden «Light Verses» erscheint «Hen’s Teeth», das zehnte Album von Sam Beams Projekt Iron & Wine – und es klingt nicht minder betörend als sein Vorgänger. Das überrascht nicht: Die meisten Songs wurden in den gleichen Sessions aufgenommen. Der Reigen wird vom exemplarischen «Roses» eröffnet: Es beginnt wie ein langsamer und verschleppter Folksong, nach anderthalb Minuten schwingt sich der Song auf Streichern in die Höhe und steigert sich in eine lärmige Kakophonie in Moll, in die Sam Beam mantramässig die mysteriöse Zeile «some only as happy as their life» raunt. Diese emotionale Bandbreite, diese Balance zwischen Dunkelheit und Licht zieht sich durch die zehn Songs. «Paper and Stones» ist eine introvertierte Ballade, in der dezente Streicher für Schwerelosigkeit und optimistische Farbtupfer sorgen. Auf «In Your Ocean » frönt Beam energischer Americana, «Wait Up», ein Duett mit I’m With Her, schwebt elegant über der Grenze zu Wohlfuühlkitsch, und in «Defiance, Ohio» lässt Beam seine melancholietrunkene Stimme von flirrenden Streichern und einem dezent lüpfigen Groove zwischen Funk und Tropicália umspielen. Nach einer längeren Krise ist Sam Beam definitiv im zweiten Teil seiner Karriere angekommen. Und das klingt äusserst vielversprechend. cg.
 
Sub Pop/Irascible

Youtube (Iron & Wine «Boy with a Coin»): https://youtu.be/KHw7gdJ14uQ?si=0qUAEUM_9aUr5At0

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