Vor etwa dreissig Jahren war Evan Dando der am lautesten umjubelte blonde Popstar auf dem Planeten. Seine Combo Lemonheads hatte nach ein paar personellen Veränderungen den Trick erfasst, wie man Buzz-Gitarren-Sound mit knackigen Ohrwürmern versetzte und sich damit Geh.r weit über den inneren Zirkel von feedbacküberdrüssigen Postpunks verschaffen konnte. Vor allem ihre Version von Simon & Garfunkels «Mrs. Robinson» katapultierte die Band an die vorderste Front des Zeitgeistes. Auch wusste Dando Kate Moss und Milla Jovovich zu bezirzen und entsprechend die Klatschspalten zu füllen. Bloss, er hatte eine Achillesferse, und diese hiess «Drogen», vor allem Heroin und Crack. Inzwischen lebt er in Brasilien, pflegt das Familienleben und gönne sich höchstens mal ein Pilzchen, ein bisschen Acid und dazu natürlich Pot. Das Resultat dieser neuen «Nüchternheit» ist das erste Album mit frischen Songs seit 19 Jahren. Die Stimme ist fruchtig wie eh und je, dabei auch weiterhin schön melancholisch angehaucht. Aus seiner Feder sind ein paar feine Songs geeflossen – nicht zuletzt das letzte Stück «Roky» –, und alles ist im bewährten, beschwingten alten Grunge- Pop-Stil gehalten. Und, ja, die Lemonheads sind allen Bemühungen von Dando zum Trotz süffig geblieben. hpk.
Youtube: Leminheads «Deep End»: https://youtu.be/3sroHymVOlQ?si=AkUdO8oYfH_MpVRN
