LTJ alias Simon Borer gibt sich nachdenklich auf dem Cover seines neuen, vierten Albums. Fast schon ist es Nacht, im Hintergrund schimmert ein See. Das Bild ist nicht über jeden Klischeeverdacht erhaben. Dies ganz im Gegensatz zu den Liedern, die in der Hülle stecken und deren Stimmung es halt doch prächtig trifft. Nach seinen poppigen Ausflügen ins Reich der Computer und Samples stehen nun wieder ganz die Gitarren im Vordergrund. Um die «Leichtigkeit und Verletzlichkeit von Demo- Aufnahmen zu emulieren», hätten er und Co-Produzent Mario Hänni immer zuerst zwei Instrumente gleichzeitig aufgenommen, heisst es im Begleitzettel. Dadurch habe sich Raum ergeben für «glückliche Zufälle und Improvisation». Tatsächlich kommen die Resultate mit einer freudvollen Lockerheit daher. Die Lieder – ganz besonders das programmatische «Feel Like Myself» gleich zum Anfang – rücken Borers vertrautes Talent für herrliche Melodien mit edler Gelassenheit ins Flackerlicht des klingenden Lagerfeuerchens. Vielsagende, oft erst nach mehrmaligem Hören richtig aufblühende Details (Pedal-Steel-Riff, diskretes Synthi-Schwirren, unterspieltes Feedback- Intermezzo…) werden mit bewundernswertem Feingefühl durch die Lieder gestreut. Und LTJs abgeklärte Gesänge sind sowieso immer eine aufbauende Ohrenweide. hpk.
