Nadah El Shazly – Laini Tani

Nach einer Suite für Kontrabass und Harfe sowie einem lärmigen Exzess, den sie unschuldigst als «Oper» bezeichnete, beweist Nadah El Shazly ein weiteres Mal ihre Wandelbarkeit. Sie, die einst als Sängerin einer Misfits-Coverband angefangen hat, wendet sich nun dem musikalischen Erbe ihres Heimatlandes Ägypten zu. Mit Weltmusik oder Folklore hat das aber nichts zu tun. Im Gegenteil lässt El Shazly arabischen Gesang und traditionelle Schlaginstrumente mit drohenden Synthesizern kollidieren, den züngelnden Harfen des Nahen Ostens stellt sie pulsierende Basslinien entgegen. Das Resultat dieser kulturellen Kollision ist ein finster funkelndes Juwel von einem Album. Die Grundstimmung ist einigermassen poppig, aber jedes der neun Stücke schimmert in seinen eigenen Schattierungen. Nach der bernsteingoldenen Ballade «Kaabi Aali» bekommen die Klangfarben mit «Banit» eine samten verklärende Weichheit. Das Stück scheint dem Trip-Hop der Neunzigerjahre seine Reverenz erweisen zu wollen. Der Titel «Enti Fi Neama» bedeutet zwar so viel wie «du bist in Wonne», hat mit Hochgefühlen aber nichts zu tun. Das ist die matte Schwärze eines zu Musik gewordenen Alptraums. Himmlisch ist danach das reine Licht von «Laini Tani». cmd.
 
One Little Independent

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