Der Titel der neuen Platte von Nation of Language, einem Gedicht von Anne Carson entlehnt, setzt schon viel in Bewegung: «Dance Called Memory», Ausdruck und Introspektion also, die zusammen gehen. Bewegtes Fleisch und kreisende Gedanken sollen eins sein, Nachdenklichkeit soll mit Schwung durch den Raum sich drehen. Wohlig-traurig gluckernde Synthie-Texturen, filigran trippelnde Rhythmik und elegante Melodiebögen bestimmen das vierte Album der New Yorker Band, auch wenn hier immer öfter die aufgekratzte Gitarre die Lieder vorwärtszieht. Es ist gleichzeitig das musikalisch diverseste Album des Trios: Das erwartungsvoll aufgeplusterte Ausgreifen von «I’m Not Ready For a Change» geht hier ebenso wie die geisterhafte Reumut von «Nights of Weight» und die zurückgenommene Anmut des Openers «Can’t Face Another One». Es ist schon viel gute Musik aus dem Anspruch entstanden, Leiden zu bündeln und zu formen und ihm Kraft und Grösse abzufordern, um es für sich und andere geniessbar zu machen. Darin liegen Möglichkeiten zu Verbindung und Offenheit, und wenn man Glück hat: Hoffnung. neu.
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