Sorry – Cosplay

Im Cosplay stellt man eine Figur aus einem Manga, einem Film oder einem Game möglichst detailgetreu dar. Sorry als musikalische Cosplayer zu bezeichnen, wäre allerdings böse, dazu sind sie zu eigenständig. Aber man spürt in diesem Londoner Quintett um Sängerin Asha Lorenz und Gitarrist Louis O’Bryen eine grosse Liebe zur Popmusik und das Bemühen, überall anzudocken. Das gelingt ihnen auf bestechende Weise. Die Stilpalette ist breit, das Album ist gespickt mit Überraschungen und Brüchen, mit Ein-, Aus- und Überfällen und mit Referenzen von überall her. Das geht vom nervösen Gitarrenpop in «Today Might Be the Hit» über den Guided-By-Voices-Sample in «Jetplane», die diskrete «Blowing in the Wind»-Referenz in «Antelope», Soulzitaten in «Echoes» bis zu «JIVE», das sich nicht entscheiden kann, ob es balladesk schmeicheln, dancefloormässig grooven oder industriell krachen will. 40 Minuten lang sind Sorry immer genau dort, wo man sie nicht erwartet. Ihre Unberechen- und Wandelbarkeit ist ihre Stärke – und auch ihre Fähigkeit, jeden Song mit einprägsamen Hooks und Refrains zu würzen. «Cosplay» ist das Album einer klugen Indie- Pop-Band, der es trotz des Titels mehr um die Substanz geht als das Kostüm. cg

Domino/Irascible

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.