Pflichttermine

Kristallisieren mit Th. Hoffmann

Der Zürcher Th. Hoffmann ist ein Original: ein eigentümlicher Mensch mit Eigenheiten, die in allem aufblitzen, was er tut. Egal, ob auf der staub-schwangeren Baustelle, am durstigen Tresen, in einem uh wichtigen Tele-fonat, auf den Weltbedeutungsbrettern oder auf Schall-, Stream- und Di-gitalplatte – es gibt da so eine gewisse Th-Hoffmann-haftigkeit, die sich einprägt. Dabei ist sein bisheriges Werk als Musiker, Dichter und Sänger fast verwirrend vielseitig, ja widersprüchlich. Zum Glück, denn das ists ja, was es so originär, kantig und interessant macht. Der Kristallationspunkt seiner Produktivität und brandaktuelle Höhepunkt seines künstlerischen Ausdrucks ist sein fünftes Soloalbum «Gegengewicht». Th. Hoffmann ist seit 2000 im Zürcher Underground eine feste Grösse, etwa als Sänger der Acapulco Stage Divers. Auf «Gegengewicht» wird er von der ebenso ein-zigartigen und hochgelobten Kölner Combo Locas In Love unterstützt. Die schräge Achse Zürich-Köln klingt mal nach Wohnzimmer in Albisrieden, mal nach Chicago, mal wie ein beschädigter Flipperautomat in Köln-Nord – und mal wie ein ausgetrunkenes Herrgöttligläschen Kölsch, auf Nasch-schub wartend. Mit «Gegengewicht» schliesst Th. Hoffmann ein weiteres Kapitel ab in seiner grossen Erzählung. Das nächste Projekt vor Augen, störrisch, idealistisch, immer in Bewegung, schreibt er natürlich gerade ir-gendwo weitere so unberechenbare wie wunderschöne Songs. Er ist ein Getriebener. Einer mit einem Herzen voller Akkorde, Verse und einem Rie-senberg Liebe. Die Art Irrer, die wir alle gerne in unserem Leben haben, egal, ob auf der Baustelle, am Tresen, am sprechenden Leuchtbrettchen oder auf Schall- und Digitalplatte. Eben ein Original. (alp)
4.3., Grabenhalle, St. Gallen; 14.3., Mundwerk, Thun; 23.3., El Lokal (Plattentaufe),  Zürich; 2.4., Café Kairo, Bern

 

M4Music mit Moses Sumney

Als er zum ersten Mal erschienen ist, trat Moses Sumney als Aromantiker auf und damit als Person, die nicht imstande ist, romantische Liebe zu verspüren. «Aromanticism» hiess dieser Songzyklus, und es war ein Sän-ger zu hören, bei dem alles im Fluss ist: die Geschlechterzuschreibungen, die Songstrukturen, die Einflüsse, die von Kirchenchorgesängen und dem Funk von Prince bis zu seinen Labelkollegen Bon Iver reichen. Diese Ein-flüsse und die traumähnliche Wirkung der Songs sind auch auf der ers-ten Hälfte seines Doppelalbums «Grae», die eben erschienen ist, prägend. Vieles klingt weiterhin isoliert, aber die grossen Dramen lauern in dieser nun grösser gedachten Kammermusik. Moses Sumney ist mit seinen neuen Liedern am M4Music zu sehen; er taucht in einem Programm auf, das wie immer viele Schweizer Musikerinnen und Musiker portiert – unter ihnen Mimiks, Asbest, Priya Ragu oder Sirens of Lesbos. Auch Hayden Thorpe wird seine ersten Solosongs nach dem Ende der ausserordentlichen Band Wild Beasts vorstellen, und Moses Boyd, der Schlagzeuger/Produzent aus London, führt die neue Festival-Schiene an, die sich dem Jazz zuwendet (und auch da einen Streifzug durch die Schweiz unternimmt). Und natür-lich wird wie gewohnt diskutiert: über Spotify, über mögliche Karriere-verläufe, über Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit im Eventgeschäft – sowie über den grossen Zusammenschluss im Schweizer Konzertmarkt. Wem das zu viel ist: Der Schiffbau hat ja auch ein Foyer. Mit Bar. (bs)
20. bis 21.3., Schiffbau, Zürich, www.m4music.ch

 

Exklusiv in der Printausgabe

• Erinnern mit Knarf Rellöm (28.2., The Phrontistery, Luzern; 29.2., Helsinki, Zürich; 1.3., Rössli (Reitschule), Bern
• Schweifen mit Patrick Watson (3.3., Rote Fabrik, Zürich; 4.3., L’Octogone, Pully)
• Drehen mit Jessy Lanza (7.3., Palace, St. Gallen)
• Verwirbeln mit DIIV (12.3., Rote Fabrik, Zürich)
• Predigen mit Geoff Berner (15.3., CapriBar, Basel; 16.3., El Lokal, Zürich)
• Fein feilen mit Torres (13.3., Rote Fabrik, Zürich)

 

Weitere Konzertdaten gibt’s hier.