Pflichttermine

Fremdeln mit den Goldenen Zitronen

Als Sänger Schorsch Kamerun und Gitarrist Ted Gaier anlässlich des neuen Albums mit der «Zeit» sprachen, fragte diese: «Wenn die Goldenen Zitronen gefragt würden, ob sie mit ihren unangepassten Gedanken die Elbphilharmonie bespielen, lehnen sie doch nicht ab, oder?» «Wir wurden gefragt. Wir haben abgelehnt», antwortete Kamerun, «ich will über die Elphi spotten, darauf habe ich Bock.» Mit «More Than a Feeling» hat die 1984 gegründete Hamburger Band im Februar ihr 13. Album veröffentlicht. Darauf richtet sie das Brennglas wieder auf das gesellschaftliche Jetzt. Es geht in den Texten um Fremdenfeindlichkeit, Grenzen, Mauern, Sexismus, um die Ereignisse am G20-Gipfel 2017 in ihrer Heimatstadt, aber auch um die Doppelmoral bei den Linken. Da mag zeitweise immer noch eine Punk-Haltung des «Es nervt» (wie ein Song heisst) durchschimmern, musikalisch sind die Zitronen aber schon seit Jahren weg von ihren Anfängen. Die Mittel der Botschaft sind auf «More Than a Feeling» querer Pop, Post-Rock und -Punk, Elektronik, experimenteller Hip-Hop und auch mal roughe Disco. Deshalb darf man sich wie bei jeder Zitronen-Tour auf die Live-Umsetzung freuen, in kleinen Clubs, nahe an der Bühne. «Ich habe seit Jahren ein blödes Gefühl, wenn wir abgefeiert werden», so Gaier im «Zeit»-Interview. «Weil ich es spannender finde, wenn da mal herausfordernde Sprüche kommen, auf die man spontan und humorvoll eingehen muss. Wir funktionieren auf grossen Festivals gar nicht gut, wir fremdeln mit der Masse.» (anz)
10.4., Bogen F, Zürich (ausverkauft); 11.4. Palace, St. Gallen

 

Entdecken mit den Stanser Musiktagen

Eine der schöneren Ortserkundungen des Jahres steht an, wenn in Stans Ende April die Musiktage eröffnet werden. Denn man wird wieder ungewohnte Orte besuchen dürfen, an denen die Konzerte über die Bühnen gehen: Da ist das Kollegium St. Fidelis, wo beispielsweise die dänischen Efterklang mitsamt einem Barock-Ensemble oder die legendäre südafrikanische Chorformation Ladysmith Black Mambazo auftreten – zwei Programmpunkte, die die musikalische Spannweite der Musiktagen bereits deutlich machen. Man wird aber auch ins Untere Beinhaus pilgern, etwa zu Saloli, die mit ihrem Analog-Synthie zum Bubble-Bad lädt – oder zu Martina Lussi (Bild), deren freie Soundwellen die Ambient-Musik neu vermessen. Es geht auch hoch hinaus – bis aufs Stanserhorn, wo am 1. Mai das Trio Bann mit Hackbrett, Posaune, Perkussion und Alphorn aufspielen wird. Wo man sich denn trifft, wenn man sich verlieren sollte? Natürlich auf dem Dorfplatz, beispielsweise bei Lekker Zukker, der neuen Band um Simon Hari, der als King Pepe bekannt ist. (bs)
30.4. bis 5.5., Stans, www.stansermusiktage.ch

 

Exklusiv in der Printausgabe

• Träumen mit Steve Gunn (30.3., Südpol, Luzern; 31.3., Rote Fabrik, Zürich)
• Beruhigen mit Jessica Pratt (4.4., Südpol, Luzern; 7.4., Royal, Baden)
• Mischen it Pom Poko (13.4., Dynamo, Zürich)
• Leuchten mit The Wave Pictures (15.4., El Lokal, Zürich; 17.4., Rössli, Bern)

 

Weitere Konzertdaten gibt’s hier.